Predigt zu Philipper 3,4b-14 am Sonntag, 09.08.2026 in der EMK Adliswil
Liebe Gemeinde,
dem Schriftsteller Franz Kafka wird das Bonmot zugeschrieben: ‘Neue Wege entstehen beim Gehen!’ Ein bekanntes Sprichwort lautet: ‘Wer rastet, der rostet!’ Die weltbekannte Whiskey-Marke Johnnie Walker wirbt mit dem Slogan ‘Keep walking’ (→ ‘Lass dich nicht aufhalten’ oder ‘Bleib in Bewegung’). Und der Sportartikelhersteller Nike rät: ‘Just do it!’ (→ Mach es einfach!) So dynamisch wie diese Beispiele klingt auch einer der Werte, die wir als BeVo für unseren Bezirk formuliert haben: «Wir gehen mutig vorwärts!» — Aber es ist halt so eine Sache mit diesen Slogans: Wie weit entsprechen sie der Wirklichkeit? Bzw. wie weit sind sie womöglich doch eher Wunschdenken?
Predigt zu Johannes 1,48 am Sonntag, 12.07.2026 in der EMK Adliswil
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Liebe Gemeinde,
wie lange mag es her sein, dass Ihr dieses Lied zum letzten Mal gesungen habt: «Weisst du, wie viel Sternlein stehen …?» In meinem Kopf tauchen Bilder von der Sonntagsschule auf, in Winterthur, noch im alten Lind. Es sind sicher weit mehr als 50 Jahre vergangen seither. Die Bilder verbinden sich mit einem Gefühl von Sicherheit: Gott weiss. Gott zählt. Gott hat den Überblick und verliert ihn nicht. Damals für mich als Kind unbezweifelbar wahr. Tröstlich. Fester Boden unter den Füssen. So sicher war ich mir dessen seither nicht immer. Es gab und gibt ja widersprüchliche Erfahrungen. Fragen. Zweifel. Und damit Phasen im Leben, in denen die Sicherheit schwindet. Das Vertrauen sich aufzulösen droht. Und die bange Frage bedrohlich wird: Hat Gott den Überblick doch nicht mehr? Oder das Interesse verloren? Oder mich gar vergessen?
Predigt am Sonntag, 28.06.2026 in der EMK Adliswil, nach der Morgenbesinnung von Pfr. Stefan Moll am 19.06.2026 an der JK CH — F — NA in Hubzenschwil
Liebe Gemeinde,
‘no risk – no love’ (→ ohne Risiko keine Liebe). Das diesjährige Konferenzthema ist abgeleitet vom verbreiteten Slogan ‘no risk, no fun’ (→ ohne Risiko kein Spass). Dieser stammt übrigens nicht, wie man vermuten könnte, aus dem Englischen, sondern entstand wohl im deutschsprachigen Raum. Es handelt sich hier um eine ‘psdeudo-englische Formulierung (→ ‘denglisch’). In den USA oder GB wird ‘no risk, no fun’ kaum verstanden (so wie dort auch niemand weiss, was ein Handy sein soll). Was damit bei uns gemeint ist, drückt man dort eher mit Redensarten aus, die etwa bedeuten: ‘Ohne Fleiss kein Preis’. Oder: ‘Wer nicht wagt, gewinnt nicht’. Es begann in den 80er- und 90er-Jahren. In der damals schnell wachsenden Skater‑, Snowboard- und Extremsportszene waren englische Wortschöpfungen sehr beliebt. ‘No risk, no fun’ brachte dort das Lebensgefühl der Suche nach dem nächsten Adrenalinkick perfekt zum Ausdruck. Werbeagenturen griffen den Spruch dann auf, vor allem für die Vermarktung von Produkten an Jugendliche. Sie taten das so intensiv, dass ‘no risk, no fun’ in den allgemeinen Sprachgebrauch überging. Heute wird die Formulierung oft auch gebraucht, um die Einsicht zu umschreiben: Wer weiterkommen will, muss seine Komfortzone verlassen.
Predigt am Sonntag, 07.06.2026 in der EMK Adliswil zu Jona 1–4
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Liebe Gemeinde,
auch wenn für die meisten von uns die Schulzeit schon sehr lange her ist: Ausgelernt hat man nie. Wer weiterkommen will, darf nicht aufhören dazu zu lernen. So ist es auch beim Glauben. Wir sind immer wieder in Gottes Schule. In der ökumenischen Musicalwoche im Frühjahr haben wir uns mit dem Propheten Jona beschäftigt. Mit den Kindern haben wir entdeckt, wie Gott Jona in die Schule genommen hat. Dabei hat er viel von und über Gott gelernt. Für Jona zeigte sich Gott als geduldiger, aber auch hartnäckiger Lehrer. Er blieb dran, bis sein Schüler die Lektionen begriffen hatte. Das atl. Buch Jona ist übrigens ein ganz spezielles Prophetenbuch. Die Bücher der Propheten enthalten meistens viele Worte, Sätze und Predigten, die diese in Gottes Namen verkündeten. Von Jona aber lesen wir kaum ein Zitat. Dafür eine ausführliche Geschichte. Sie erinnert in vielem eher an ein Gleichnis aus dem NT. Es ist eine Beispielgeschichte, von der wir für unser Leben und Glauben lernen können. Wer die Jonageschichte liest, drückt also gewissermassen mit ihm Gottes Schulbank.
Predigt am Sonntag, 31.05.2026 in der EMK Adliswil zu Johannes 4
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Liebe Gemeinde,
Geschichten, die sich am Brunnen entwickeln, sind etwas Besonderes. Wer den Blick oder gar einen Sprung in den Brunnen wagt, entdeckt eine neue Wirklichkeit. Davon erzählen z.B. Märchen. Auch davon, dass das nicht nur angenehm ist: Die Pechmarie etwa freute sich nicht darüber, was Frau Holle am Boden des Brunnens für sie bereithielt. Naja, und wenn statt des Traumprinzen ein Frosch geküsst werden will, ist auch das alles andere als märchenhaft.
Auch in der Bibel gibt es Brunnengeschichten mit viel Tiefgang.
Predigt am Pfingstsonntag, 24.05.2026 in der EMK Adliswil zu 4.Mose 6,22–27
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Liebe Gemeinde,
wie haben Sie es mit Stossgebeten? Z.B. so: ‚Lieber Gott, lass das Lichtsignal grün werden!‘ Oder: ‚Was wäre das für ein Segen, wenn ich jetzt gleich beim Ziel einen Parkplatz fände‘? Manchmal brauchen wir das Wort ‘Segen’ ganz gern für kleine Siege im Alltag:
Die Kaffeemaschine funktioniert trotz akuter Verkalkung? Ein Segen!
Die Kinder schlafen am Sonntag bis um 8 Uhr? Ein riesiger Segen!
Die Steuererklärung ist fertig und zeigt, dass eine Rückerstattung fällig ist? Göttliche Fügung!
Als wäre Gottes Segen das Geschenk eines stressfreien Lebens. Gott würde so zum himmlischen Logistiker, dessen Job es ist, unsere persönliche Komfortzone abzusichern. Wenn alles glattläuft, sagen wir noch schnell: ‚Ich bin ja so gesegnet.‘ Aber was ist, wenn ich eine ‘rote Welle’ erwische? Wenn die Kaffeetasse leerbleibt und an der Maschine so rote Lämpchen blinken? Wenn im Umkreis von 2 km alle Parkplätze belegt sind? Ist der Segen dann weg? – Wohl kaum. Was ist denn Segen eigentlich? Darum geht es heute. Darum, dass Gottes Segen viel mehr bedeutet als bloss ‘Glück gehabt’. Und auch darum, dass Gottes Segen manchmal gerade dort zu greifen beginnt, wo unsere Komfortzone endet.
Predigt am Sonntag, 10.05.2026 in der EMK Adliswil zu Lukas 15,1–7
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zum siebten oder sogar schon zum neunten Mal (wenn wir Karfreitag und Ostern mitzählen) geht es um ‘Zäme – d’Chraft vom Mitenand’. Wir gehen dem Geheimnis von Gemeinde/Kirche auf den Grund, das da heisst: Glaube ist kein Sololauf, sondern ein Mann- und Frauschaftssport.
Nach ‘zäme teile’, ‘zäme am Tisch’, ‘zäme singe’, ‘zäme bäte’, ‘zäme frei’ und ‘zäme als Team’ heisst das Thema heute: «Zäme geborge – Guter Hirte und Herde». Das ist schon im Grusswort von Regula angeklungen: «Gott führt sein Volk wie ein guter Hirt» (Jes 40,11). Dazu haben wir Schriftlesungen gehört: Aus dem AT die prophetische Rede aus Hesekiel 34, in der Gott selbst sich als Hirten bezeichnet. Und aus dem NT einen Ausschnitt aus Jesu Hirtenrede in Jh 10. Als Predigttext lese ich nun aus dem Lukasevangelium, Kapitel 15, die Verse 1–7:
Predigt am Sonntag, 03.05.2026 in der EMK Adliswil zu Matthäus 10,1–4
«Einer mag überwältigt werden, aber zwei können widerstehen, und eine dreifache Schnur reisst nicht leicht entzwei.» So haben wir zu Beginn des Gottesdienstes aus Predigt 4,12 gehört. Darum, wie unser Miteinander zur reissfesten Schnur wird, geht es jetzt auch in der Predigt. Wir sind immer noch in der Reihe ‘Zäme – d’Chraft vom Mitenand’. Es ist die sechste Predigt. Eigentlich sogar die achte, denn auch die Predigten an Karfreitag und Ostern haben sich, wenn auch ausserhalb der Reihe, mit dem Fundament unseres Miteinanders beschäftigt. Am Karfreitag ging es um den grösstmöglichen Gegensatz zum ‘Zäme’: Jesus erlitt die totale Verlassenheit am Kreuz …. damit wir nie mehr einsam und gottverlassen sein müssen. An Ostern aber feierten wir die ‘Kraft der Überraschung’. Das ist die Auferweckungs-Energie Gottes, die jede Trennung aufhebt und eine ganz neue Art von Gemeinschaft stiftet. In der Predigtreihe ging es vorher und nachher um: ‘Zäme teile’; ‘Zäme am Tisch’; ‘Zäme singe’, ‘Zäme frei’ und ‘Zäme bäte’. Heute nun als sechstes Thema: ‘Zäme – als Team unterwegs’.
Predigt am Sonntag, 12.04.2026 in der EMK Adliswil zu Philipper 4,6–7
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Macht euch keine Sorgen. Im Gegenteil: Wendet euch in jeder Lage an Gott. Tragt ihm eure Anliegen vor in Gebeten und Fürbitten und voller Dankbarkeit. Und der Friede Gottes, der alles Verstehen übersteigt, wird eure Herzen und Gedanken behüten. Er wird sie bewahren in der Gemeinschaft mit Jesus Christus. Philipper 4,6 (Basis Bibel)
Liebe Gemeinde,
noch kürzer: «Macht euch keine Sorgen … das Gebet ist die Lösung … so regiert der Friede Gottes in euren Herzen und Gedanken.» Das klingt gut! Aber können wir dem trauen? Ist es nicht allzu einfach? – Aber auch: Darf man so zweifelnd denken? Falls ja: Wo kann man das aussprechen?
Predigt am Ostersonntag,05.04.2026 in der EMK Adliswil zu Johannes 20,11–18
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Liebe Gemeinde,
wir sind in den Predigten bis Pfingsten unterwegs unter dem Motto ‘Zäme – d’Chraft vom Mitenand’. Dazwischen feierten wir vorgestern Karfreitag. Und heute ist nun Ostern.
Karfreitag stellt jedes Zäme radikal in Frage. An seinem Todestag hat das Miteinander für Jesus nicht funktioniert. Überhaupt nicht. Die Gemeinschaft der Jünger:innen, die er sorgfältig aufgebaut hatte, zerbrach. Sie stoben in alle Richtungen auseinander. Jesus blieb am Kreuz zurück. Leidend. Sterbend. Und auch: Ganz allein. Karfreitag ist die Geschichte vom totalen ‘Nicht-Zäme’. Sie gipfelt in Jesu Schrei am Kreuz: «Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?» Das ist der schlimmstmögliche Gegensatz zu allem, was wir anstreben. Und nun? Dass der Riss irgendwie repariert werden könnte, wagte am Karfreitag niemand zu hoffen. Wie auch? Ideen, wie das möglich sein könnte, fehlten.
Aber heute ist Ostern! Und Ostern ist das Fest, das jede Trennung aufhebt! Sogar die endgültige und radikale Trennung durch den Tod. Gott hat den Tod überwunden, hat Christus auferweckt. Und damit ist klar, was wir heute feiern: Jesus nahm die totale Verlassenheit auf sich, damit wir nie wieder gottverlassen und einsam sind. In keiner Situation sind wir ohne Gott. Jesu Auferstehung begründet ein neues, stabiles Miteinander. In Christus bleiben wir ‘Zäme’, mit Gott und miteinander. Trotz allen Andeutungen und Versprechen, die Jesus den Jünger:innen vor seiner Passion gemacht hatte. Damit hatte niemand gerechnet. Eine solche Wende war schlicht nicht vorstellbar. Ostern war die totale Überraschung. Darum heisst das Thema meiner Osterpredigt: Die Kraft der Überraschung.